Kommunikation unter Jägern

Jagdhörner

         die gängigsten Jagdhornarten

das Fürst Pless Horn (B-Stimmung)

Das Fürst Pless Horn ist bennant nach Hans Heinrich XI Fürst von Pless. Es handelt sich um ein Naturhorn, sprich es besitzt keine Ventile und somit liegt es beim Bläser mittels Lippen- und Atemtechnik fünf bis sieben Töne mit dem Horn zu formen. Es handelt sich hier um das wohl gebräuchlichste Jagdhorn in Österreich und Deutschland.

Bei B-gestimmten Instrumenten klingt ein C genau einen Ganzton tiefer als auf dem Klavier, es klingt also ein B. Man sieht es dem kleinen Horn nicht an, doch würde man es ausrollen, käme man auf eine Länge von 1,40 m.

das B-Parforcehorn (Waldhorngröße)

Das Parforcehorn ist älter als das Pless-Horn, bereits im 18. Jahrhundert kam Anton Hampel auf die Idee, Naturhörner zu stopfen, sprich die Hand in den Schallbecher einzuführen und so den Luftstrom abzudecken. Somit verändert sich die Tonhöhe und der Bläser ist in der Lage die Tonvariation zu erweitern. Besonders das "kleinere" Parforcehorn (Waldhorngröße) ist für das Stopfen prädestiniert, da es handlicher ist und so auch bei konzertanter Jagdmusik eingesetzt werden kann. Man kennt es auch unter der Bezeichnung "Wiener Horn". In Tschechien und der Slowakei wird dieses Horn noch gerne geblasen, in Österreich kann man derzeit eine Tendenz zum einwindigen Parforcehorn verfolgen.

das B-Parforcehorn

Das Parforcehorn hat eine Länge von 2,70 m und klingt daher genau eine Oktave tiefer als das Pless-Horn. Vergleichen wir es wieder mit dem Klavier in C-Dur klingt das Parforcehorn in B also neun Töne tiefer als die Klänge des Klaviers. Das Horn wurde bei der Parforce-Jagd zu Pferde eingesetzt. Die Größe war hier sehr praktisch, denn die Bläser konnten Kopf und Arm durstrecken und hatten beide Hände zum Reiten frei. Geübte Bläser schaffen auf dem Horn elf Naturtöne. Über die Namens-herkunft scheiden sich die Geister. Egal ob es jetzt von par force (kraftvoll) oder par ce foret (durch den Wald) kommt, wir - die Jagdhornbläser Retzer Land - finden seinen Klang sehr schön und haben es deshalb zu unserem Instrument auserkoren. 

das B/Es-Parforcehorn

Das heute gebräuchliche B/Es-Umschalt-Parforcehorn ist wie ein klassisches großes Parforcehorn mit einem Windungsdurchmesser von ca. 44 cm gebaut und äußerlich von ihm kaum zu unterscheiden. Es hat nur eine Umschaltmechanik, die es ermöglicht, das Horn im Grundton umzustellen, so dass es sowohl in der Tonart Es als auch in B einzusetzen ist. Bläst man das Horn in Es kann man während des Spielens durch schnelles Umschalten einzelne erforderliche Töne der B-Dur-Tonleiter, die in der Es-Naturtonreihe fehlen, erreichen und 16 Naturtöne spielen. Man vermeidet so das schwierige „Stopfen“. Besonders in der konzertanten Jagdmusik ist das Umschalthorn von hoher Bedeutung.
         weniger geläufige Hörner

die Trompe de Chasse

Die Trompe hat ihre Ursprünge in der Bauweise vom Hofe Ludwigs des XIV. Das Mundstück ist sehr scharfrandig, man erzählt sich, dass die Bläser am französischen Hof sich gezielt die Lippen zerschnitten, damit diese vernarben, ob es der Wahrheit entspricht sei dahin gestellt. Der Schalltrichter ist innen geschwärzt um die Pferde nicht zu scheuen. Die Trompe ist in D-Dur gestimmt und hat einen sehr eigenen Klang, der sie deutlich von anderen Instrumenten unterscheidet. Die Trompe ist das Instrument der Equipage, einer Reitgesellschaft die heute noch in Frankreich die Chasse de Curee, also die Parforcejagd im eigentlichen Sinne ausübt. Sie wird hoch zu Pferde während einer solchen Jagd als Signal oder auch in der Keilform stehend geblasen.

Sauerländer Halbmond

Der Sauerländer Halbmond ist ein historisches Instrument, das bevorzugt seit dem 17. Jahrhundert von den Brackenjägern verwendet wird. Typisch ist dieses Instrument in der Region rund um Hannover. Es handelt sich dabei eigentlich nur nur ein"aufgebogenes" Fürst-Pless-Horn und wird aus Kupfer hergestellt. Daneben gibt es auch ein Tenorhorn, welches eine Oktave tiefer gestimmt ist. Die Signale werden als Hornrufe bezeichnet. Die musikalische Ausführung ist mündlich überliefert und variiert von Gruppe zu Gruppe. Bei den Hornrufen wird versucht, das Lautgeben der Hunde zu imitieren, ob sie die Fährte aufgenommen haben, ob sie anjagen, das Wild hetzen oder stellen.

Kommunikation unter Jägern

Jagdsignale und Jagdmusik

         der Ton macht die Musik - vom Signal zum Konzert
             Quelle: Die Österreichische Jagdmusik, Josef Schantl und Carl Zellner, Verlag Julius Chmel, Wien 1886
Frankreich

Der durchdringende, weithin vernehmbare Ton des Horns war der Grund, weshalb man sich dessen bei den größeren Jagden bediente, um mit den übrigen Jägern zu kommunizieren oder die Meute zur eifrigeren Verfolgung des gehetzten Tieres anzufeuern. Es haben daher schon vor undenklichen Zeiten die Jäger die Notwendigkeit empfunden, sich stets des Horns bei Jagden zu bedienen. Man bediente sich in den ältesten Zeiten in allen Ländern zuerst des Horns oder Hörnchens, das aus dem Horn der Tiere gefertigt wurde. Diese Hörner wurden an der Hüfte getragen und daher „Hüfthorner“ oder "Hiphörner" genannt. Sie waren derart primitiv und roh dass sie auf der Jagd, sowie auch im Kriege – und da auch zur Abgabe eines und desselben, in verschieden Intervallen erzeugten Tones – rein als "Signalinstrument" dienen konnten. Die Entstehung der Fanfare und der sich daraus entwickelnden Jagdmusik beginnt erst im 16. Jahrhundert, zur Zeit der Vervollkommnung des Jagdhornes, welches bei Abgabe verschiedener Töne ermöglichte. Man sieht zu Aachen noch das Horn Karls des Großen (742 bis 814 n. Chr.), welches man seit dessen Tode aufbewahrt. Dieses Horn war aus Elfenbein gefertigt. Derartige Hörner wurden „Olifant“ genannt.


Entwicklung des Horns


In den prächtigen Gobelins des Louvre, von Lucas de Leyde gezeichnet, wurden die Jagden zur Zeit Franz I. von Frankreich (1494 bis 1547 n. Chr.) dargestellt. Man sieht darauf Jäger mit einem kleinen Horn, das sie an einem langen großen Bandelier umgehängt trugen. Dieses Horn aber, anstatt rund zu sein, war in Winkeln in Form eines Fünf oder Sechseckes abgebogen. Erst unter Carl IX. (1550 bis 1575 n. Chr.) rundeten sich diese Winkel. In den Gravuren dieser Zeit und besonders in denen der königlichen Jagd (welches Buch Carl IX. zum Verfasser hat, der selbst ein tüchtiger Hornbläser gewesen ist) sehen wir die Jäger mit Hörnern, deren Bogen so groß war, dass sich das Horn um den Körper des Jägers schlang und gewöhnlich in der Richtung von der linken Achsel zur rechten Hüfte getragen wurde. Diese großen Hörner waren einmal gewunden und wurden „cor de chasse“ genannt, zum Unterschied von den kleinen, nur halbmondförmig gekrümmten Horne, welchen man „huchet“ (Hüfthorn) nannte. Unter Louis XIII. (1601 bis 1643 n. Chr.) erfuhr das Jagdhorn keine wesentliche Veränderung; auch machte die Jagdmusik keine besonderen Fortschritte. die Jagdmusik hingegen wurde weiterentwickelt. Die Signale wurden mannigfaltiger in Folge des verbesserten, einmal gewundenen Hornes. Erst unter der Regierung Louis XIV. (1638 bis 1715 n. Chr.) entstand die eigentliche, zur großen Berühmtheit gelangte Jagdmusik. Durch den Umstand, dass das Rohr des Hornes bedeutend verlängert und jetzt zwei und einhalbmal gewunden wurde, ließ dasselbe eine freiere Entwicklung der Töne zu. Es war der Beginn der Kompositionen für das Horn. Man gab diesem öfters gewundenen Horn nach dem damals als Kompositeur von Jagdfanfaren berühmten Marquis de Dampierre den Namen „á la Dampierre“ oder kurzweg „Dampierrehorn“. Der beträchtliche Durchschnitt des Hornbogens war durch die Größe der Kopfbedeckung des damaligen Zeitalters bedingt, da der Jäger den Kopf und den Oberkörper durch die Mensur stecken musste, um das Horn auf die früher angegebene Weise tragen zu können.


durch die Revolution in Vergessenheit geraten


Unter Louis XV. (1710 bis 1774 n. Chr.) erfreute sich die Jagdmusik noch immer der größten Pflege, zur Zeit der französischen Revolution geriet sie jedoch ganz in Verfall und Vergessenheit. Erst in jüngster Zeit bringt man ihr mehr Aufmerksamkeit entgegen. In der französischen Jagdmusik zur Zeit Louis XV. waren drei Arten von Fanfaren gebräuchlich. Die Fanfaren wurden im Allgemeinen bei allen größeren Jagden teils von 2, 4, 8 und mehreren Piqueren, so auch von den höchsten und hohen Jagdherren selbst zweistimmig geblasen. Die Fanfaren teilten sich in jene der Tiere, in Fanfaren der Umstände und in solche, welche von den damaligen Komponisten den betreffenden hohen Jagdgästen gewidmet waren. Die ersteren zwei feststehende Signale für sämtliche Jagden, daher auch gewöhnlich kürzer gehalten, die letzte Art der Fanfaren war in der Form mehr musikalisch, daher auch ausführlicher und länger.


Fanfarenmusik bei den französischen Jagden

Gewöhnlich begann der Aufbruch zur Jagd zeitlich morgens und wurde mit der Fanfare „Le réveil des chasseurs“ (Morgensignal der Jäger) angekündigt, sodann wurden “Le point du jour“ (Der Tagesanbruch) geblasen. Das Zeichen zum Aufbruche zur Jagd wurde mit der Fanfare „ Le départ pour la chasse“ gegeben. Am Orte der Stelldicheins angelangt blies man „L´arrivée au Rendevous“. Kamen die Damen der Jagdgesellschaft angefahren, so ertönte die Fanfare „La caléche des dames“. Wenn der eintreffende Cavalier Besitzer einer ihm gewidmeten Fanfare war, wurde er mit seiner Fanfare begrüßt. Jetzt erst begann die eigentliche Jagd, die nur den Charakter der Parforcejagd an sich trug. Jedem der Teilnehmer wurde sodann der Platz durch den Jagdleiter angewiesen. Nun wurde der Jagdhirsch mit dem Leithunde rege gemacht und die Meute vom Rüdenmeister losgekoppelt. Dieser Moment wurde durch die Fanfare „La sortie de chenil“ gekennzeichnet. Hatten die Hunde die Fährte des Wildes angenommen, so gab man dies durch die Fanfare „Le vol-ce-l´est“ kund. So oft der Jagdhirsch in Sicht kam, wurde dies durch die Fanfare „la vue“ markiert. Wurde nicht auf Hirsche gejagt, so hatte jede Wildgattung ihre eigene Fanfare, wie z.B. Wolf, Fuchs, Wildschwein, Reh; ja beim Dammwild wurde sogar ein Fanfaren Unterschied gemacht, je nachdem, ob es ein weißer, schwarzer oder gefleckter Schaufler war. Bei der Hirschjagd wurde immer die Qualität des Jagdhirsches besonders markiert. War es ein Spießer (cerf de la prémière tête), dessen man ansichtig wurde, so wurde dies durch die Fanfare der Königin („La Reine“) der Jagdgesellschaft mitgeteilt, war der Angejagte ein Gabelhirsch, so wurde die Fanfare „La Discreté“ (Die Vorsichtige) geblasen, der Sechsender wurde durch die Fanfare „ La Dauphine „ signalisiert, die Fanfare des Königs („Du Roi“) zeigte das Anjagen eines Achtenders an. Der geringe Zehnender wurde durch die Fanfare „Le Dix – cors jeunement“ , der Kronenhirsch durch die Fanfare „La royale“ signalisiert, und endlich Hirsche mit abnormen Geweihen hatten das Signal „La bizarde“.


Hourvari de la vie

Das Antreiben der Hunde zur eifrigen Verfolgung des aufgetriebenen Tieres geschah durch Zuruf, teils durch das geschmetterte „Hourvari de la vie“. Hatten die Hunde die Fährte des Wildes verloren, so ward dieses durch die Fanfare „Le forhu“ angezeigt. Wenn das gehetzte Wild den Wald verlassen hatte oder der Ebene zugeeilt war, so wurde ersteres Ereignis durch das Signal „Le changement de forêt“, letzteres durch die Fanfare „le plaine“ angegeben. Stellte sich das gänzlich erschöpfte Wild vor den Hunden, so ertönte das „Halali“. Das Wild wurde nun entweder mit dem Hirschfänger oder mit einem der betreffenden Jagdspieße abgefangen und dieser Moment durch die entsprechende Fanfare markiert. Die Jagdgesellschaften formierten nun einen Kreis um das gestreckte Wild. Das Tier wurde an Ort und Stelle versorgt und weggetragen. Die Eingeweide wurden aufbereitet und den Hunden verfüttert. Dieser Moment wurde durch das Signal „La curée“ avisiert. Zum Ankoppeln der Hunde wurde das Signal „La rentrée au chenil“ gegeben. Der Rüdenmeister ließ nun die bereits wieder angekoppelten Hunde partienweise los, welche sich mit Gier auf die daliegenden Eingeweide stürzten und dieselben als die ihnen rechtlich zukommende Belohnung auffraßen. Hiermit war die Jagd beendet und nun ging es an die Heimkehr. Hatte die Jagd eine gute Strecke ergeben, so wurde dies durch die Fanfare „ La retraite de grâce“, im entgegen gesetzten Falle durch die Fanfare „La retraite manquée“ angekündet. Zum Abschied vom Walde blies man abwechselnd „Les adieaux de la forêt“ oder „L´adieu des piqueurs“. Während der Rückkehr der Jagdgesellschaft bliesen die Jäger „La marche de la venérie“; näherte sich der Zug dem Jagdschloss, so ertönte die Fanfare „La rentrée au chateau“, welche von dem Wart Turme des Schlosses aus beantwortet wurde. Nachdem die Rückkehr vor sich gegangen, verließen die Piqueure und das sonstige Jagddienstpersonal das Schloss und es erklang zum Beschlusse des Jagdtages als Abschied „Le bon soir des chasseurs“.


Österreich

Der erste, der eine Art Jagdmusik nach französischem Muster in Österreich einführte, war Ferdinand Leopold Graf von Spork, Herr der Herrschaft Hermann - Mistiz, kaiserlicher Oberjägermeister in Schlesien, gest. 1738, einer der größten Waidmänner der Zeit, der auch eine große Hubertusmedaille prägen ließ, die in Gold noch heute vom Niederösterreichischen Jagdschutzverein nur in den seltensten Fällen an ganz ausgezeichnete Waidmänner als höchste Auszeichnung verliehen wird. (Graf Breunner - Enckevoerth ist Besitzer der Medaille.) – Graf Spork, welcher während seines Aufenthaltes in Paris 1680 das so genannte Dampierrehorn kennen lernte und an der französischen Jagdmusik einen großen Gefallen fand, beschloss, auf seinen Jagden in Böhmen eine ähnlich Jagdmusik einzuführen. Graf Spork brachte daher französische Hörner nach Böhmen und ließ zwei seiner Bedienten durch einen gewissen Wenzel Sweda aus Lissa in Böhmen lehren, den er später auf seine Kosten nach Paris schickte, um sich teils selbst im Hornblasen zu verbessern, teils um die französische Jagdmusik kennen zu lernen, und die Jagdmusik des Grafen Spork nach französischem Muster einzurichten. – Kaiser Karl VI. (1685 bis 1740 n. Chr.), der ein großer Liebhaber der Jagd und auch ein begabter Komponist war, ließ dann auch bei den kaiserlichen Jagden Fanfarenmusik verwenden, und es bliesen bei diesen Jagden Waidjungen und Plachenknechte das Waldhorn. Später kam die Fanfarenmusik teilweise in Vergessenheit und hörte bald ganz auf, bis sie zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Franz I. (1768 bis 1835 n. Chr.). Der damaligen Oberstand und Hofjägermeister Carl Fürst von Auersperg erweckte die Jagdmusik im Jahre 1819 wieder aufs Neue.


Kein rechter Unterricht


Die Jagdmusik wurde gelegentlich bei Jagden auf Hirsch und Sau im Prater und im kaiserlichen Tiergarten von vier Zeugjägern intoniert; doch war diese Jagdmusik höchst simpel, weil die Jäger keinen rechten Unterricht genossen hatten und auch niemand da war, der sich der Mühe unterzogen hätte, eine regelrechte Jagdmusik einzurichten. Im Jahre 1845 wurde die geringe Zahl der Horn blasenden Jäger von vier auf acht gebracht und nun erst durch einen Musiklehrer, namens Bubnik, notdürftig im Naturhornblasen unterwiesen. Zu jener Zeit war das halbe Dampierrehorn in Verwendung. Unter der Regierung von Kaiser Ferdinand (1793 bis 1875 n. Chr.), der ein großer Musikfreund war, wurde die Jagdmusik besseren Händen anvertraut, und es erhielt der erste Waldhornist der damaligen Kapelle von Johann Strauß Vater, Namens Kenesch, den Auftrag, die Zeugjäger und Waidjungen im Hornblasen gründlich zu unterrichten. Kenesch komponierte für die großen Jagden einige so genannte „Waldstücke“, die jedoch nicht dem Zwecke der eigentlichen Jagdmusik entsprachen. Bei den schon erwähnten Hirsch- und Saujagden wurde die Jagdmusik in der Weise angewendet, dass zur Begrüßung des Kaisers oder eines Mitgliedes des Kaiserhauses das „Gott erhalte“, zum Beginne der Jagd das „Jagdanblasen“, sodann das so genannte „Waldstück“ und zum Schlusse das „Waidmannsheil“ geblasen wurde. Nachdem alle diese Stücke in ganzen und halben Tönen geschrieben waren, die halben Töne durch das Stopfen erzeugt werden mussten und diese gestopften Töne schwach klangen waren sie im Freien schlecht hörbar. Dies entsprach nicht mehr dem ursprünglichen Nutzen einer Fanfare wie es in Frankreich gebräuchlich war, da die Fanfaren, im Wald deutlich hörbar sein müssen. Diese Fanfaren entsprachen also nicht mehr den Anforderungen.


Josef Schantl - der Geist der österreichischen Jagdmusik

Am 6. Dezember 1857 erklang in Österreich das Halali zur letzten Prunkjagd auf den Gütern des Grafen Trauttmannsdorf bei Pardubitz (ostböhmische Stadt in der Tschechischen Republik). Erst unter der Regierung des Kaisers Franz Josef I. (1830 bis 1916 n. Chr.) sollte die neuerstandene, nun österreichische Jagdmusik, einen nie geahnten Aufschwung nehmen. Den ersten und kräftigen Impuls zur Kultivierung der Jagdfanfarenmusik, aus der sich dann später die „ Österreichische Jagdmusik“ entwickelte, gab der österreichische Cavallier Hans Graf Wilczek, auf dessen Anregung der erste Solo Waldhornist des k. k. Hofopern Orchesters, Josef Schantl, eine kleine leichfassliche Hornschule für Bläser des Natur Jagdhornes schrieb. Im Jahre 1879 traten, anlässlich zur Feier der silbernen Hochzeit des Österreichischen Herrscherpaars, zwölf der besten Cavaliere zur Bildung einer historischen Jagdgruppe zusammen. Diese nahmen am Festzug, der von Hans Makart geschaffenen wurde, teil.


Neue Kompositionen und auch der Adel bläst an

In dieser Gruppe sollte nun zur Erzielung eines größeren Effektes eine regelrechte Fanfarenmusik mitwirken. Nachdem man in Österreich bis zum Jahre 1879 von einer Jagdfanfaren Literatur soviel als gar keine Kenntnis hatte, demzufolge auch keine geschulte Jagdmusik bei der Jagd Gruppe mitwirken konnte, erhielt Schantl vom Grafen Wilczek den Auftrag, für die historische Jagdgruppe eine Fanfarenmusik zusammenzustellen, welche nur auf dem in Frankreich benützten Dampierrehorn geblasen werden sollte. Schantl komponierte demzufolge für diese Gelegenheit verschiedenen Fanfaren für vier (Es-) Naturhörner, die durch natürliche Frische und Charakteristik viel zum sensationellen Erfolge dieser glänzenden Gruppe beitrugen. Zur dauernden Erinnerung an diese, in aller Beteiligten Gedächtnis fortlebende, Gruppe fasste Graf Wilczek den glücklichen Gedanken, dass jede dieser geblasenen Fanfaren den Namen der bei der historischen Jagdgruppe beteiligt gewesenen Cavaliere tragen sollte. Graf Wilczek war auch der erste österreichische Adelige, der anfing, selbst das Waldhorn zu blasen, und es unter Schantls Leitung auf diesem Instrumente zu einer großen Meisterschaft gebracht hat. Dieses Beispiel ahmten in erster Linie der gegenwärtige Oberjägermeister des Kaisers von Österreich, Seine Excellenz Hugo Graf Abensperg und Traun, dann Graf Breunner Enckevoerth und später noch viele andere hohe Cavaliere nach. So kam es, dass die bis zur Zeit des Festzuges fast ganz in Vergessenheit geratene Gepflogenheit, bei Jagden im größeren Stile die Jagdmusik zu verwenden und regelrecht zu pflegen, wieder in Aufnahme kam und eine ungeahnte Verbreitung gewinnen sollte. Es kann also füglich Graf Wilczek als Bahnbrecher der spezifisch österreichischen Jagdmusik betrachtet werden. Graf Traun in seiner Funktion als kaiserlicher Oberjägermeister führte nun die durch Schantl in eine einheitliche Form gebrachte, für den modernen Jagdbetrieb sich vortrefflich eignende Jagdmusik bei den großen kaiserlichen Jagden im Tiergarten wieder ein.


Anno 1879  - Jagdmusik neu

Somit kann das Jahr 1879 als dasjenige bezeichnet werden, in welchem die österreichische Jagdmusik neu entstand. Schantl vervollständigte die Jagdmusik den Anforderungen der Neuzeit entsprechend und teilte dieselbe, zum Teile auch ähnlich der französischen Jagdmusik, in Jagddienstsignale, in Fanfaren des höchsten und hohen Jagdherren, und schließlich in Revier Fanfaren ein. Die Jagddienstsignale und Fanfaren der höchsten und hohen Jagdherren sind im vorliegenden I. Teil der österreichischen Jagdmusik enthalten, die Revier Fanfaren im II. Teil der österreichischen Jagdmusik bilden. Schantl machte gegenüber der französischen Jagdmusik einen großen Schritt vorwärts, indem er einerseits die Jagddienstsignale vereinfachte und so für den Jagdteilnehmer leicht fasslicher machte, andererseits der Jagdfanfare noch einen größeren Reiz verlieh, indem er den Fanfaren eine musikalisch ausgeprägte Form dadurch gab, das er im Gegensatze zu den französischen Fanfaren, welche nur zweistimmig waren, diese vierstimmig komponierte. Die Melodie der Fanfare erhielt durch das Hinzukomponieren von zwei Mittelstimmen eine harmonische Begleitung, welche durch Hinzutritt der vierten Stimme als Bassbegleitung jetzt ein musikalisch gerundetes Ganze bildete, zufolge dessen in ihrer gegenwärtigen Form dem verwöhnten und musikalisch verfeinerten Geschmacke unserer Zeit vollkommen Rechnung trägt, ohne an Charakteristik etwas eingebüßt zu haben. Die geringe Anzahl an Tönen auf den Naturhörnern machte die Aufgabe um einiges schwieriger, abwechslungsreiche Stücke zu komponieren. Nur durch jahrelanges Studium des Jagdhornes und durch die rhythmische Behandlung der Melodie konnte es so weit gebracht werden, dass sich die große Zahl der von Schantl geschaffenen Fanfaren von einander eben durch die Charakteristik in Melodie und Rhythmus unterschieden.


Kronprinz Rudolf und die Uraufführung

Im Frühjahr des Jahres 1881 war es, als bei Gelegenheit der Rückkehr seiner kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen Rudolf von Österreich von seiner, später durch ihn selbst ebenso geistvoll als poetisch geschilderten Orientreise in sein Vaterland, zum ersten Male, zur Begrüßung von Österreichs hoffnungsvollen Thronerben, im kaiserlichen Tiergarten zu Lainz die nun neu geschaffene österreichische Jagdmusik erklang. Die überraschenden Erfolge der kaiserlichen Jagdmusik hatten zur Folge, dass mehrere hervorragende österreichische Cavaliere und Besitzer ausgedehnter Jagdbarkeiten auf ihren Gebieten die Jagdmusik analog der kaiserlichen Jagdmusik einführten. Graf Breunner – Enkevoerth war der erste hohe Jagdherr, welcher auf seinen Jagdgebieten die österreichische Jagdmusik einführte und in mustergültiger Weise pflegte. (Gegenwärtig hat Graf Breunner Enckevoerth in seinen österreichischen Jagdgebieten vier, in den ungarischen zwei Waldhornquartette, in Summe 24 Bläser). Diesem Beispiele folgten bald Franz Graf Colloredo – Mannsfeld zu Sierndorf bei Stockerau, Fürst Paar zu Czernitz in Böhmen, Franz Graf Lamberg in Steyer, Franz Fürst Auersperg in Karlslust, Landgraf Fürstenberg zu Weitra in Niederösterreich, Rudolf Graf Kinsky in Krasna und Adolf Fürst Schwarzenberg zu Frauenberg in Böhmen. Im Lauf der Jahre gab es mehr und mehr jagdmusikbegeisterte Hornisten. Auf Anregung Schantls wurde im Jahre 1883 der „Erste Wiener Hornisten Club“ gegründet, der es sich zur Aufgabe machte, die historische, insbesondere aber die neugeschaffene österreichische Jagdfanfaren zu pflegen.


Meilensteine der Jagdmusik

Weitere Meilensteine der Österreichischen Jagdmusik aus „Chronik der Jagdmusik“ von Mag. Dr. Bernhard Paul
(Ausgebildeter Musiker (Hornist), Musikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt: Horngeschichte, Instrumentenbau in Österreich, Geschichte der Österreichischen Jagdmusik etc.):


1898 - 50-jähriges Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs. Huldigungsfeier der Österreichischen Weidmänner in Schloss Schönbrunn - Konzert unter Mitwirkung von 50 Jagdhornisten

1902 - Tod von Joseph Schantl, Solohornist der Wr. Philharmoniker. Sein Neffe, Heinrich Schantl, betreut in der Folge die k.k. Hofjagdmusik

1910 Erste Internationale Jagdausstellung Wien - Fanfarenkonzert im Juni unter erstmaliger Mitwirkung Karl Stieglers

1911 - Uraufführung der St. Eustachius-Messe von Karl Stiegler bei der Nikolai-Kapelle.

1918 - Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie

1923 - Wiederaufnahme der St. Eustachiusfeier im Lainzer Tiergarten - Initiative von Forstdirektor Franz Wojtech

1935 - Tod von Karl Stiegler, Solohornist der Wr. Philharmoniker, Weiterführung der St. Eustachiusfeiern bis in die letzten Kriegsjahre

1950 - Reaktivierung der „Lainzer Jagdmusik" durch Ernst Paul, Solohornist des Wiener Rundfunkorchesters. Erste St. Eustachiusfeier nach dem Zweiten Weltkrieg

1953 -  Veröffentlichung historischer österreichischer Jagdsignale (Österreichs Weidwerk)

1959 -  Dokumentation österreichischer Jagdmusik im Jagdmuseum Marchegg

1960 - Beginn der jährlichen Jagdhornkonzerte bei der Hermesvilla (Juni)

1971 - Eröffnung der Weltjagdausstellung in Budapest durch die „Lainzer Jagdmusik“

1978 - Niederösterreichische Landesausstellung: Jagd - einst und heute (mit Dokumentation der Geschichte der Jagdmusik)

1979 - Ausstellung des historischen Museums der Stadt Wien: - vor hundert Jahren (mit musikalischen Dokumenten vom Makartfestzug) Tod von Ernst Paul

1981 - Neugestaltung des Jagdmuseums Marchegg (neue Dokumentation der Geschichte der österreichischen Jagdmusik)

1997 - Kärntner Landesausstellung: alles Jagd ... (neue Dokumente aus der Geschichte der österreichischen Jagdmusik)

2000 - Jubiläum im Zeichen der Kontinuität - 50 Jahre St. Eustachius-Feier im Lainzer Tiergarten - 50 Jahre „Lainzer Jagdmusik“ nach dem Zweiten Weltkrieg

2018 - 28.12.2018 Tod von Mag. Dr. Bernhard Paul, Musikwissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt: Horngeschichte, Instrumentenbau in Österreich, Geschichte der Österreichischen Jagdmusik
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